Donnerstag, 28. Mai 2009
FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE
"US-Wirtschaft nicht mehr am Abgrund"

"Es herrscht eine Ruhe, die es so vorher nicht gab"
, sagte der US-Präsident. Nach ihrer schwersten Krise seit Jahrzehnten zeige die US-Wirtschaft Anzeichen einer Stabilisierung.

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Samstag, 2. Mai 2009
Don´t think twice
Chrysler ist Geschichte. Ab Montag warten 30 000 Arbeiter und Angestellte, 30 000 Millionen US-Dollar, Euro und Yen in Bonds, Shares und Stakes sowie 30 000 auf Halde stehende Altmetallteile, die man Autos nennt auf ihre Abwicklung.
Als Wertstoffhof (Change, Yes we can!) hat sich die Firma Fiat zur Verfügung gestellt. Nicht ohne anzumelden, dass sie die Resterampe eigentlich erst dann so richtig wertschöpfungsmäßig als Geschäft aufziehen kann, wenn den Chrysler-Schrott der Opel-Schrott mindestens so fett macht, dass auch aus diesen Schulden (debt, nicht equity!) mit oder ohne Staatsgarantie wie in den guten alten Zeiten wieder Vermögen wird, womit die zehn bis 18 Banken – formerly known as the masters of the universe – wieder handeln können, as punk never happened.

Wenn alles klappt, werden am Ende der Abwicklung 30 000 Leute auf der Straße stehen (aufs Pflaster geworfen hieß es früher, CNN und RAI werden melden, dass die neu strukturierte euro-amerikanische Industrie 1000 nachhaltig "grüne" Arbeitsplätze geschaffen hat), aus den Schulden im Wert von 30 000 Millionen werden Sicherheiten im Wert von 45 000 Millionen, die je nach Währungsarbitrage in US Dollar, Euro oder Yen sogar auf 50 000 Millionen anwachsen können. Und wenn sie keinen Krieg brauchen, um die 30 000 durchzuziehen ist wieder, was heißt wieder, Frieden.

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Donnerstag, 20. November 2008
Aus gegebenem Anlass – Erz reloaded
Marijuana

the great gate, 16:06h 24. Oktober 2008

Wer den Schaden hat, braucht sich um Spott nicht zu sorgen. Stimmt. Geht sogar inzwischen soweit, dass wer den Dachschaden immer schon weg hatte, weil er von den fundamentals seiner christlich-abendländisch kapitalistisch-demokratischen Weltordnung felsenfest überzeugt ist, sich um seine lächerliche Vorstellung, dass ihm der Himmel auf den Kopf fallen könnte, weil ihm seine „Wirtschaft“ und sein „Staat“ unterm Arsch wegbrechen, seit heute auch keine Sorgen mehr machen muss.

Denn heute ist wieder mal Weltuntergang.
Es herrscht wieder mal nackte Panik, dass der ganze Schrott, an den man geglaubt hat, nichts wert ist und einem schon in der nächsten Stunde keiner mehr abkaufen wird, was man heute früh um neun noch geglaubt hat, einem Bank-Analysten abnehmen zu müssen, weil doch die Charts und die Informationen und das Maßnahmenpaket der Regierung und überhaupt die Anzeichen, dass sich die Märkte doch endlich auch mal stabilisieren oder wenigstens ein bisschen stabilisieren äh müssen, müssten, äh sollten, sollen... Ach du Scheiße – rette sich wer kann...

Von Frankfurt über London bis nach New York gellt also in diesen Stunden wieder mal der verzweifelte Schrei: „Wohin bloß mit dem ganzen Scheiß?“ und gerade die mit der Materie der kapitalistischen Wertvermehrung vertrautesten Insider denken nur noch ans „Raus hier!“ und werden buchstäblich stocknarrisch, weil sie heute nicht mal mehr einen Ausgang in irgendeinen scheißsicheren Hafen für sich und ihre eigentlich doch so überzeugend wirkenden Wertanlagen sehen.

Neu daran ist, dass sich der heutige Crash wohl auf die Psyche der ihren Dachschaden für normal haltenden Damen und Herren Bürger und Bürgerinnen aller Bildungsmilieus und Einkommensschichten schlagen und sicher bemerkenswerte Spuren hinterlassen wird. Nachdem viele schon arg ins Grübeln gekommen sind in den vergangenen Monaten, werden die ersten jetzt wirklich Angst bekommen bei der Vorstellung, wie denn das jetzt so weitergeht, wenn es so weitergeht. Und bei nicht wenigen, insbesondere angeblich gebildeten Leuten wird man auch „erste Anzeichen von Verrücktheit“ feststellen müssen, wie sie der Thomas Bernhard in seiner kleinen Prosa „Gehen“ seinerzeit absolut großartig beschrieben hat.

Und das sind nun wirklich keine schönen Aussichten, wenn die in ihren Berufen und Stellungen über Jahre und Jahrzehnte verblödeten und ums Denken gebrachten nun auch noch richtig verrückt werden, weil sie dem guten alten einfachen Gesetz vom tendenziellen Fall der Profitrate nur noch mit dem blanken Wahnsinn begegnen können, dass dieses Gesetz doch nicht stimmen darf, da sie doch so fest daran glauben und immer wieder in ständigen Variationen wiederholt haben, dass es nicht stimmen kann!

Nein, schöne Aussichten sind das nicht. Auch wenn es zu sehr vielen, sehr lustigen Szenen und Kapriolen kommen wird in den Parlamenten und nicht nur in den Parlamenten.

Und wirklich helfen wird man den zu Deppen gemachten Helden und Heldinnen der freien und sozialen Marktwirtschaft auch nicht können, denn es ist ja ihr Spiel, das ihnen nun also so übel mitspielt und sie bis an ihr gemeinsames bittere Ende treiben wird, solange sie es nicht kapieren.

Also das einzige, was mir auf Anhieb einfiele, um sie wenigstens vor den ganz groben, ganz überraschend über sie hereinbrechenden Psychosen zu bewahren, wäre, ihnen ein wenig Marijuana zu empfehlen. Nicht viel. Nur gerade so viel, dass sie an und erst mal nur für sich merken, dass und wie relativ dieses komische Ding ist, von dem sie glauben es wäre ihr gesunder, von der Erfahrung geschulter und je nach Bedarf konstruktiv, kritisch oder sonst wie eingestellter Verstand.***


Wer kapieren will, was an den Börsen und nicht nur an den Börsen los ist, und noch weiß, dass Begriffe nicht nur was zum Werbetexte basteln sind, kann sich, aber das ist ja nun auch nichts Neues und wird einem Deppen in seiner Not auch nicht wirklich weiter helfen, auf folgender Website informieren: www.gegenstandpunkt.de Aktuelle Empfehlung: Die Diskussions-Protokolle der jours fixes

Das wäre dann mein vernünftiger Vorschlag zum heutigen Schwarzen Freitag. Dem wievielten eigentlich inzwischen?

***Dies soll nicht als Plädoyer genommen werden, durch Kiffen eventuell das kleine bürgerliche Bewusstsein zu erweitern, sondern ganz im Gegenteil dazu auffordern, sich ohne Selbsterfahrungsgruppe, religiöses Erweckungserlebnis, Voodoo, Techno-Disco-Trance oder irgendeinem anderen marktgängigen Hirnweichspüler mit eingebauter Wirkt-sofort-und-sorglos-Garantie, den sogenannten Positivismus auch des eigenen Bewusstseins als eine wirkliche Schranke im Denken des Denkens beim Denken klar zu machen durch einfaches kennen lernen. Aber Obacht! Marijuana ist nix für Kinder und wirkt natürlich bei jedem anders. Und nur ein bisserl zuviel THC oder zu wenig – und schon ist die Konzentration perdu und alles was du siehst, hörst und sonst wie mitkriegst erscheint nur noch echt komisch und eigenartig und so unglaublich interessant – und Booom, schon geht er ab, der Laberflash, der dann nicht nur den Freunden und Bekannten, die einem zuhören müssen, sofort auf die Nerven geht.
Gez. Dr. House

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Montag, 3. November 2008
GESTERN VOR EINEM JAHR
Freitag, 2. November 2007

the great gate, 15:35h

IRONIE – WIE GEHT DAS?


"Meine Eltern setzten mich im Frühjahr 1968 in einen Kinderwagen und schoben mich auf eine Demonstration gegen die Notstandsgesetze. Zu diesem Zeitpunkt war mein politisches Bewusstsein noch nicht ganz entwickelt: Ich war gerade ein Jahr alt geworden."
Fr. U. Poschardt

Und jetzt gehen Sie bitte die Treppe runter, erste Tür links, bei
THREAD einmal klingeln. Gute Unterhaltung

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Dienstag, 1. April 2008
GALERIE ANDREAS HÖHNE


Am Glockenbach 6
80469 München


Heute Eröffnung
18 Uhr

galerie andreas höhne

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Mittwoch, 10. Oktober 2007
SCHRÖDER ERZÄHLT von den "SPEAK" AKTEN ALL
In seinem aktuellen taz-blog bringt der alte März Verleger Jörg Schröder einen Beitrag zum Literaturbetrieb. Den sollten Sie mal lesen, GM, damit Sie wissen, mit welcher Berühmtheit Sie es hier eigentlich zu tun haben. Leider macht der Schröder an ein paar entscheidenden Stellen der Geschichte sozusagen den "Lottmann" und phantasiert sich seine eigene Anekdotenwelt zusammen, die nur bedingt den Tatsachen entspricht. Aber lesen Sie selbst, und sei es nur, um mir Gelegenheit zu geben, die jeweils falschen Angaben zu korrigieren.

Die story ist nämlich schon sehr lustig und im Tenor liegt der Chronist natürlich auch nicht wirklich daneben. Aber so stehen lassen kann ich das selbstverständlich auch nicht – und sei es nur, weil die Realität für meine Begriffe einfach lustiger ist als die daraus fabrizierte Kolportage.

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Montag, 30. Juli 2007
ALTER BRIEF
Samstag, 5. August 2000
16:44
an M. F. / Frankfurt


Memphis


Lieber M.,

schöne Grüße aus einem trüben, verregneten Nachmittagsloch.
Das mit dem Sommer wird wohl heuer nichts mehr. Heute vormittag hing über dem Viktualienmarkt schon ein erster Hauch Herbst, und wenn ich jetzt aus dem Fenster schau fällt es schon schwer den Anblick dieser tristen grauen Wolkendecke mit dem Hochsommermonat August in Verbindung zu bringen.

Na ja. Man soll ja ... aber irgendwie kann ich mich eh nicht mehr daran erinnern wie ein blauer Himmel aussieht – das letzte mal ... vergangenen Montag in Lindau, aber der erschien mir eher als Kulisse einer fünfziger Jahre Ansichtskarte wie überhaupt diese ganze Gegend am Bodensee. Fachwerkungetüme, pittoreske Hafenanlagen, Städtchen die Friedrichsruh heißen, ganze Legionen alter Menschen, die sich durch Gassen und über Promenaden schieben, und hebt man den Blick, erheben sich ringsum auch sofort diese Ansätze der Alpen, und alles ist einem sofort der reinste Kitsch, weil irgendwie fotografisch eingefrorene original Nachkriegszeit, so grell bunt und nachkoloriert, wie einem diese schönen Schweizer Aussichten da entgegen knallen.

Ich finde ja Gebirgspanoramen eher bedrückend und schau lieber aufs offene Meer hinaus, in Straßenschluchten oder durch endlose Betonwüsten als gern von so massiven Naturmonumenten umstellt zu sein, egal ob bewaldet, oder nicht – und wenn schon Anhöhe und Feldherrnblick, dann richtig, also aus paar Tausend Metern durchs Flugzeugfenster oder eben gleich MIR, die schöne klassische Totale auf die Kugel, meinetwegen auch sehr gern vom Bett aus, denn so ein MIR-Bullauge ist ja auch nicht recht viel größer als mein alter Grundigbildschirm.
Jedenfalls. Diese Gegend am Bodensee, wirklich nicht mein Ding.

Außerdem sind ihre Bewohner, insbesondere auf österreichischer Seite, diese sogenannten Vorarlberger soho wahas vohon lahangsahm, dass man wirklich auf die Idee kommen kann, dass in dieser Region die Zeit einfach langsamer vergeht oder gar nicht geht, sondern kriecht, oder gar 1945 einfach ganz stehen geblieben ist, was dann auch so Leutchen wie diesen Walser und seine hanebüchenen Nationaldummheiten erklären könnte, die ich bislang eher für einen Ausdruck der herrschenden Gerontokratie gehalten habe, jetzt aber darauf zurück führen kann, dass man an Orten wie diesem Bodensee einfach so bescheuert denken muss...

Ein ähnliches Zeitloch wie dort habe ich zuletzt vor fast 20 Jahren irgendwo im tiefsten Schweden erlebt.

Da stand ich mit 16 zufälligerweise auch zur Hochsommerzeit plötzlich in einem Wald, überall nur uralte Bäume – und ich meine wirklich uralte Bäume – sonst weit und breit nichts außer Farnen, Walderdbeeren, Heidelbeeren, Insektengesumme und so fort – und ich dachte mir, Scheiße Mann, jetzt haben sie dich ins Jahr drei Millionen vor Christus gebeamt...

Eigentlich wollte ich irgendwann nach Sils Mariä ins Engadin, um nachszusehen, ob es dort wirklich so toll ist, wie es der alte Nietzsche seinerzeit behauptet hat, aber nach allem was ich am Bodensee gesehen habe und was ich von der Schweiz so weiß, lass ich das lieber; solche Landschaften fernab jeder Spur von Gegenwart und ihrer vielfältigen Symptomatik machen einen ja imgrunde nur krank im Kopf.

Und der alte Nietzsche hat seine Elogen ans Engadin wahrscheinlich auch nur schreiben können, weil er praktisch blind war und vom vielen Haschisch so schwer benebelt, dass er sich sein Sils Mariä in bekannter Selbstherrlichkeit schlicht ausgedacht hat.

Man sollte bei jeder Art Zivilisationsästhetik überhaupt darauf achten, woher so was rührt. Dieser tibetanische Dalai Lama Dreck ist ja auch so eine schwer menschenverachtende Hochgebirgsphilosophie, die sich nur Leute ausdenken konnten, die gezwungen sind ihr Leben in sogenannten Streusiedlungen zu fristen. Der ganze Buddhismus, wahrscheinlich jeder religiöse Schwachsinn vom frühesten Judentum über die Suren Mohammeds bis hin zu den Instantheilslehren der Hubbards und Bagwahns aller Couleurs lässt sich sicher auf irgendeine Wüstenei zurück führen, der diese Prediger in Ermangelung besserer Möglichkeiten sich zu unterhalten oder die Zeit tot zu schlagen, entsprechen in ihren glücksversehrten Ergüssen.

Aber zurück nach Bregenz. Ich habe mir die Vorstellung auf der Seebühne angesehen und in diesem Zusammenhang auch ein kleinen Blick in die Zukunft unseres Mitteleuropa werfen können:

An die siebzig junge Angestellte unserer schönen neuen Eventunterhaltungsindustrie arbeiten für 7000 Rentner, die nicht mehr wissen, wohin mit ihrer Zeit und ihren Pensionen. So schaut es aus.
Das ist die Zukunft. Das zahllose Heer der Rentner will auf Teufel komm raus abgelenkt werden von der schlichten Tatsache, dass das einzige, was sie in ihrem Alter wirklich noch so richtig realistisch unmittelbar authentisch erleben werden, ihr Abgang sein wird. Und die Jugend führt also deswegen für sie den Maskenball in Bregenz auf, oder La Bohème, oder den Faust, wenn es halt Theater sein muss.

Und wenn auf diese Weise alle Opern demoliert und jede gute Idee einer Musik, die ein guter Opernkomponist wie Verdi jemals gehabt hat, dann auch irgendwie für alle Zeit kaputt gemacht sein wird, werden sie sich Jazz vornehmen und Rock, dann Pop, oder PopArt-Performances und deutsche Konzeptkunst.
Und das wird dann alles in sauber organisierten Technojahrmärkten abgefeiert, jede Woche, jeden Monat, jeden Tag irgendwo anders.

Der Nachwuchs der bildenden Kunst ist darauf bestens vorbereitet.
Gestern war im Haus der Kunst die Jahresausstellung der Münchner Akademie. Und da haben es die Studenten bewiesen, dass sie das können, so Objekte und Verfahren, und Gimicks und was weis ich was für einen Scheißdreck in die Welt stellen, den man für irgendwas brauchen kann, was irgendwie eventtauglich ist und wovor sich eine Kasse und ein Tisch fürs Catering aufbauen lässt . Leider fällt ihnen sonst gar nichts mehr ein.

Ich hab nach dem ersten Rundgang durch die show den Höhne gefragt, ob ihm das Kunst machen eigentlich noch Spaß macht, weil mir das Kunst machen ja angesichts dieser Lage ja wirklich keinen Spaß machen würde und der Höhne hat darauf erst irgendwie erschöpft wirkend zustimmend den Kopf geschüttelt, dann aber doch ganz tapfer gesagt: Doch! Die Zeichnungen, die er ... mache er schon gerne.

Gibts in Frankfurt eigentlich noch so was wie Kunst, oder hat sich das vielleicht einfach klammheimlich aufgehört?

..., bringt mich ja schon auf die Idee, dass sich die Kunst in Frankfurt vielleicht schlicht verabschiedet von der Kunst und einfach was besseres zu tun hat.

Autogramme sammeln, stundenlang fernsehen, fussballern, oder so Sachen.

So. Langsam neigt sich auch dieser Nachmittag dem Ende entgegen. (Sag, bist du jetzt eigentlich auch so schläfrig; mich machen diese Vorstellungen von der zeitgenössischen Kunst nämlich schon schläfrig)

Jetzt ist es auch schon fast 19 Uhr geworden. Meine Güte, wie schnell doch die Zeit vergeht. Vorher war es gerade halb fünf. Schon gähne ich ein wenig und strecke das Kreuz durch.

Und geraucht habe ich wieder viel zu viel. Und ein richtiger Schluss, der dieses zäh fliessende Finale mit einer zündenden Pointe zu einem guten Ende führen könnte fällt mir jetzt auch nicht ein.

Gerade hat im Hof jemand eine Autotür zugeschlagen. Aber wen interessiert das schon?

In Bregenz habe ich einen schwulen Tänzer kennen gelernt, der früher Priester war, jetzt in dem Kaff die Kirchenorgel spielt und sein Geld neben der Tanzerei und Opernchorgesinge während der Festspiele mit der Fertigung von Paramenten verdient. Aber das ist eine andere, zu lange Geschichte. Außerdem: Wer weiß schon was Paramente sind? Und wer kennt noch den Hermes Phettberg?
So – – –
Und jetzt tut sich gar nichts mehr.

Nicht mal eine Autotür. Nur eine Taube gurrt ironisch.

Wahrscheinlich liest du das erst am Montagabend. Wann warst du eigentlich zuletzt in Österreich?

Ist dir aufgefallen, dass die dort fast keine Zigarettenautomaten mehr hängen haben?

Na endlich fällt mir ein brauchbares Titelthema ein. Memphis.

Beste Wünsche und schöne Grüße
A.

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Samstag, 21. April 2007
TRAFFIC ERFOLG KOMUNISMUS Kommunismus GOOGLE BLOG VIEWS BÜRGERLICHE GESELLSCHAFT KAPITALISMUS KINDER SCHULE NEU

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Dienstag, 3. April 2007
SCHLECHTER STERN ÜBER LEIPZIG
„Am 9. November 1989 hat in Deutschland
die Konterrevolution gesiegt. Ich glaube nicht,
dass man ohne diese Erkenntnis in der Zukunft
wird Bücher schreiben können.“

Ronald M. Schernikau
Rede auf dem Kongress der Schriftsteller der DDR
1. bis 3. März 1990


„Nach der Abstimmung strömten die Beschäftigten aus der Halle und begaben sich zurück zur Arbeit. Unter den 6463 abstimmenden Mitarbeitern sprachen sich 4647 für den Streikstopp aus.“
Eilmeldung, Spiegel-online, 20. Oktober 2004, 14.06 Uhr



EINS

Über Thüringen
Hat man das unglaublich karg und ärmlich wirkende Maintal hinter Würzburg und schließlich mit Mittel- und Unterfranken den so genannten Süden Deutschlands hinter sich und wendet sich dann ostwärts Richtung Thüringen, verflacht der Himmel zusehends und durchaus Besorgnis erregend. –
Brandon Hurst, Mittelklasseschriftsteller in den besten Jahren schlingert sehenden Auges in die Krise Ostdeutschlands und kann nichts dagegen machen.–
Tatsächlich wirkt der Himmel über Thüringen bedrückend, sonderbar angsteinflößend, fremd; wie ein gigantischer, dabei gleichzeitig extrem enger, sich aus einem nicht allzu fernen Nichts heraus öffnender Winkel –
Mietforderungen, die Rivalität zweier Frauen und ein sich anbahnendes Zerwürfnis mit seinem Jugendfreund, langjährigen Weggefährten und Verleger, dazu das unabsichtliche Erreichen dreier Finalrunden unbedeutender Literaturwettbewerbe sowie –
Es kommt einem vor, als wölbe sich dieser Himmelswinkel über Thüringen nur ganz minimal und nur gerade so weit, dass noch genügend trübes Licht auf diese Gegend fällt, um ein dieser Gegend eigentümliches Grau sichtbar zu machen. Und dem allgegenwärtigen Grau entsprechend sehen die Städte sowie die Dörfer und Streusiedlungen Thüringens dann aus. Alles wirkt düster und abweisend, ein Eindruck, der sich mit zunehmender Zeit verstärkt.

Erschien der Horizont schon auf der Höhe Aschaffenburgs nur mehr als fahle, wie an den Rand der Welt ganz ohne Sinn gezogene Linie und völlig unbedeutend, lässt er sich in Thüringen von dem dort auf den Augen klebenden, alles erdrückenden Grau praktisch nicht mehr unterscheiden –
Hurst soll in Leipzig gegen zwei weitere Finalisten im offenen Bewerb um 1500 Euro Preisgeld antreten –
Noch unter Ulbricht gepflanzte, einst sicher stolze Pappel-Kolonnen, ziehen sich im Dämmer eines Sonnenuntergangs beiderseits unnützer Verkehrswege endlos hin wie Zeugen eines soeben geschehenen Unglücks. Wie im Starrkrampf scheinen die Pappeln minutenlang dem sich durch fahle Landschaft windenden Schwarz der neuen Straßen Thüringens Spalier zu stehen –

Fortsetzung hier:
http://thegreatgate.blogger.de/stories/747283/

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Fortsetzung – Schlechter Stern über Leipzig (II)
Brandon Hurst fühlt sich nicht gut auf seinen ersten Kilometern durch das vollkommen wirkende thüringische Elend.
Doch er nimmt die Herausforderung an, obwohl er natürlich weiß, dass er den ihm gleich hinter Thüringen bevorstehenden Kampf um etwas Geld und zweifelhaften Ruhm nicht anders als auf ganzer Linie verlieren wird. –
Trotz alledem! Was für ein Himmel! So beschissen sah noch kein Himmel jemals aus. Erfurt liegt wie ein toter Fisch vor ihm. Die angebliche Stadt Erfurt droht jeden Moment von einer geschlossenen Wolkendecke in den Erdboden gedrückt zu werden. Einzig die aus dem kargen Land herausragenden Hochspannungsmasten scheinen sich dem sicheren Untergang noch ein wenig widersetzen zu wollen, doch auch das sich Recken dieser Erfurter Masten wirkt hier nur scheinbar und wie ein letzter fürchterlicher Hohn. Wer hier lebt ist verloren, und sie schaffe es nie.
Von einem übergeordneten, man kann ruhig sagen, ethisch-moralischen Standpunkt aus betrachtet, – doch den hatte sich Brandon Hurst längst abgeschminkt. Zu übermächtig war der Zauber dieser so wahren Katastrophe Thüringen.
Kein Gebäude wirkt älter als zehn Jahre; keine Straße, die nicht frisch asphaltiert wäre und in ihrem schwarzen Glanz doch nur Dunkelheit abstrahlt und an ein lange schon zurecht vergessenes Mittelalters stumm ermahnt. –
Frustriert und ruiniert und völlig demoralisiert. Das war sein Zustand. Mehr gab es dazu nicht zu sagen, sagte sich Hurst bei sich. So war die Lage. Er saß im Zug.

"Durchgeknallt"
Erster Preis: 500 Euro, zweiter Preis: 300 Euro, dritter Preis: 200 Euro (Bitte nachfragen, ob die Reisekosten für die drei FinalistInnen vom Veranstalter übernommen werden! - S.U.) Eingereicht werden können bisher unveröffentlichte Texte jeder Gattung in deutscher Sprache. Sie dürfen einen Umfang von insgesamt 8 DIN A-4-Seiten (je 30 Zeilen à 60 Anschläge pro Seite, einseitig beschrieben) nicht überschreiten. Jeder Einsender kann nur einen Text, der nur mit einem Kennwort (nicht Durchgeknallt) gekennzeichnet ist, einreichen. Bei mehreren Zusendungen (auch unter Pseudonym) wird die gesamte Bewerbung nicht gewertet. Die Texte müssen zudem in 4-facher Form eingereicht werden. In einem zweiten, verschlossenen Umschlag, auf dem nur das Kennwort steht, bitte Adresse, Telefon/Fax-Nummer, ggf. E-Mail-Adresse, das Kennwort, eine Übersicht der bisherigen literarischen Veröffentlichungen (Auswahl) sowie eine Kurzvita (höchstens 12 Zeilen) beifügen.



Mehr über Thüringen
So verfolgt der Reisende also Thüringen von seinem Sitzplatz im ICE aus, und so stellt sich ihm unvermittelt die Frage, wer hier freiwillig lebt, und er fühlt sich an Orte wie Mannheim erinnert, Hagen, Göppingen oder Osnabrück. Aber anders als in Mannheim oder Osnabrück, wo sich vergleichbares Unheil durch Tradition, sei es einer binnen Jahrzehnten verfallenen Industrie, sei es einer des dreißigjährigen Krieges erklären ließ, sieht das Elend Thüringens brandneu, wie gerade eben hergestellt aus.

Und obwohl es gerade Abend werden wollte, schien Brandon tatsächlich eine besondere, ganz eigentümliche Dunkelheit hier aufzufallen, wie eine spezifische Finsternis nicht nur des Asphalts im Osten, eine Schwärze, die ihn an Pech denken ließ und an aus Pech gemachte Menschen. Selbst auf den leeren, so unendlich groß und sinnlos angelegten Parkflächen der Einkaufszentren, deren scharf gezogene Markierungsstreifen im fahlen Neonlicht erstrahlten, fiel ihm vor allem auf, wie dieses ungeheuer tiefe Schwarz jeden anderen, selbst auch nur denkbaren Farbton vollständig zu beherrschen, ja zu ersticken, vollkommen auszumerzen schien. Bemerkenswert auch, dass weder Passanten noch Bewohner sich an den mehrspurig ausgebauten Fahrbahnen, auf den Straßen oder den zwischen meist eng stehenden Häuserzeilen hindurchführenden Wegen sehen lassen wollten.

Zeigten sich dann doch einmal ein Erwachsener oder kleinere Gruppen von Senioren, vereinzelt auch Kinder auf dem Gehsteig einer Martin-Luther-, Bärbel-Boley oder Friedrich-Ebert-Straße oder in einem grundlos westdeutsch eingerichteten Vorgarten, war es, als wollten diese Leute den Blick des Reisenden sofort mit unglaublich fahrigen, sofort an Verbrechen mahnenden Bewegungen fliehen.
Was war mit diesen Menschen los? Hatte sie die Regierung traumatisiert, wie es seit Wochen Berichte der Tagespresse nahe legten? Wahrscheinlich fürchten sie wirklich, von Mitarbeitern ihrer für sie vorgesehenen Arbeitsagenturen umgehend verhört, verschleppt, geknechtet zu werden; so sahen sie aus, gaben sie sich, und sie lebten ja alle von der Stütze. Oder waren sie so, die Thüringer? Misstrauische, von klein auf ungesellige Leute, denen das Leben seit Generationen übel mitspielt, die nichts anderes kennen als Missgunst, Vorsicht, Angst. Verglichen mit den Thüringern kamen ihm nun selbst die Bewohner des seit Jahrhunderten schwer gebeutelten bayerisch-tschechischen Grenzgebietes am Fuße des Arbers, die Brandon anlässlich einer Recherche für einen Werbejob kurz nach dem leidigen Mauerfall aufsuchen musste, beinahe weltoffen, durchaus zugänglich vor.
Andererseits: Nietzsche schreibt an einer Stelle seines Ecce Homo, er sei – – – „Thüringer“. Dann kam die Nacht.

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